Aktuelles
Jahreshauptversammlung 2026: Fachwissen, Gemeinschaft und moderne Vereinsarbeit
Am 3. Oktober 2026 fand die Jahreshauptversammlung der Taskforce:Artenschutz e.V. im Burg Hotel Ziesar statt. Um 9:00 Uhr begann ein intensiver Veranstaltungstag, dessen offizieller Teil erst gegen 18:30 Uhr endete. Mehr als neun Stunden lang ging es um die weitere Entwicklung des Vereins, notwendige Beschlüsse, fachliche Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und nicht zuletzt um das persönliche Kennenlernen innerhalb einer bundesweit gewachsenen Gemeinschaft.
Natur- und Artenschutz auf dem Bühler Zwetschgenfest, 10.09 – 14.09.2026
Drei Tage voller Begegnungen, intensiver Gespräche und großem Interesse an Natur- und Artenschutz: Unser Stand auf dem Bühler Zwetschgenfest war ein voller Erfolg. Das traditionsreiche Volksfest, das seit 1927 zu Ehren der „Bühler Frühzwetschge“ stattfindet, zog in diesem Jahr rund 100.000 Besucher an. Von Freitag bis Sonntag waren wir mitten im Geschehen vertreten – und konnten an unserem Stand mehr als 400 interessierte Besucher begrüßen.
Schon von Weitem sorgte der Wolfaufsteller in Originalgröße für Aufmerksamkeit. Ergänzt wurde er durch Roll-Ups, Informationsbanner, Bücher, Flyer und umfangreiches Anschauungsmaterial. Zu den besonderen Blickfängen gehörten in Kunstharz gegossene Wolfslosungen aus dem Schwarzwald. An ihnen ließ sich sogar erkennen, was die jeweiligen Tiere gefressen hatten – ein Detail, das längst nicht nur bei den jüngeren Besuchern für Interesse sorgte. Unterstützt wurden wir mit umfangreichem Informations- und Ausstellungsmaterial von der Naturschutzinitiative e.V. und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.
Im Mittelpunkt vieler Gespräche stand der Wolf. Durch die Nähe Bühls zum Territorium des GW2672m war das Interesse an diesem Tier besonders groß. Die Fragen reichten vom richtigen Verhalten bei einer möglichen Begegnung über Vergrämung und Herdenschutz bis hin zur Situation des Wolfes in der Region. Gleichzeitig ging es immer wieder auch um andere Wildtiere wie Luchs, Wildkatze und Biber. Viele Besucher wollten nicht nur Informationen mitnehmen, sondern ganz konkret ihre Fragen, Erfahrungen und auch Sorgen ansprechen. Genau daraus entwickelten sich zahlreiche intensive und sehr unterschiedliche Gespräche.
Besonders gefreut hat uns das Interesse von Biologen sowie Lehrerinnen und Lehrern, die nach Material und Unterstützung für den Unterricht zum Thema Wolf fragten. Auch Familien blieben immer wieder länger an unserem Stand. Wie wichtig eine ruhige und sachliche Vermittlung sein kann, zeigte die Begegnung mit einem Mädchen, das sich zunächst nur mit deutlicher Zurückhaltung an den Stand traute. Nach dem gemeinsamen Gespräch nahm sie schließlich einen Wolfsaufkleber und ein Ausmalbild mit und verabschiedete sich lächelnd. Auch Weidetierhalter nutzten die Gelegenheit, sich über Schutzmöglichkeiten für ihre Tiere zu informieren.
Natürlich gab es auch kritische Stimmen und unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit dem Wolf. Sie gehörten zu den Gesprächen ebenso dazu wie persönliche Erfahrungen und ganz unterschiedliche Perspektiven. Die weit überwiegende Zahl der Begegnungen erlebten wir jedoch als offen, interessiert und positiv. Besonders eindrucksvoll waren dabei auch Gespräche mit Menschen, die über viele Jahre in Regionen gelebt haben, in denen große Beutegreifer ganz selbstverständlich Teil der Landschaft sind und die von ihren Erfahrungen mit dem Zusammenleben berichteten.
Nach drei Tagen bleibt vor allem eines: eine enorme Resonanz. Hunderte Gespräche, viele neue Kontakte, großes Interesse an unseren Materialien und zahlreiche Begegnungen, die gezeigt haben, wie wichtig und gefragt sachliche Informationen über Wolf, Wildtiere und Artenschutz sind. Das Bühler Zwetschgenfest hat uns dafür eine großartige Bühne geboten – und wir freuen uns schon auf die nächsten Veranstaltungen.
Wenn aus Artenschutz und Beobachtung plötzlich „Bedrohung“ wird – Jagd und ARD gegen die Taskforce
1. Nachricht an den Redakteur
Sehr geehrter Herr Jakob,
vielen Dank für die Übersendung Ihrer Fragen. Gerne nehmen wir hierzu schriftlich Stellung.
Zu Ihrer ersten Frage möchten wir zunächst die darin enthaltene Formulierung richtigstellen: Wir „begleiten“ weder die Jagd noch einzelne Jäger. Unsere Tätigkeit in der Region Greifenstein steht ausschließlich im Zusammenhang mit unserer Arbeit im operativen Artenschutz.
Unsere Mitglieder sind unabhängig von konkreten Jagdaktivitäten regelmäßig und zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten im Gebiet unterwegs. Da uns naturgemäß weder sämtliche jagdlichen Aktivitäten noch deren jeweilige Zeiten und Orte bekannt sind, kann es selbstverständlich vorkommen, dass sich unsere Anwesenheit im Gebiet zeitlich und räumlich mit der Anwesenheit von Jagdausübenden überschneidet. Daraus eine gezielte „Begleitung“ von Jägern oder der Jagd abzuleiten, wäre jedoch unzutreffend. Wir bewegen uns im Rahmen der geltenden Bestimmungen im Gebiet und beobachten und dokumentieren dort Sachverhalte, soweit diese für unsere Tätigkeit im operativen Artenschutz relevant sind.
Eine zufällige oder aufgrund der beiderseitigen regelmäßigen Anwesenheit entstehende Begegnung im selben Gebiet bedeutet weder, dass eine Person von uns verfolgt oder gezielt beobachtet wird, noch dass wir in die rechtmäßige Jagdausübung eingreifen.
Die reguläre Jagdausübung auf zum Beispiel Reh-, Rot- oder Schwarzwild ist nicht Gegenstand unserer Tätigkeit. Für uns wird ein Sachverhalt dann relevant, wenn sich konkrete Anhaltspunkte für einen möglichen Verstoß gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen ergeben. Solche Sachverhalte dokumentieren wir und übergeben sie, sofern sich ein entsprechender Verdacht erhärtet, den zuständigen Behörden.
Wir gehen mit unserer Anwesenheit in der Region auch keineswegs verdeckt um. Bereits vor einiger Zeit haben wir die Hegeringe im Umfeld des Greifensteiner Wolfsrudels angeschrieben und transparent darüber informiert, dass wir uns regelmäßig im Gebiet aufhalten und artenschutzrechtlich relevante Vorgänge dokumentieren. Zugleich haben wir ausdrücklich auf unser Interesse an einem konfliktfreien und sachlichen Umgang hingewiesen. Eine Rückmeldung auf dieses Gesprächsangebot haben wir bislang leider nicht erhalten; für einen konstruktiven Austausch stehen wir weiterhin zur Verfügung.
Wir pflegen grundsätzlich einen sachlichen und konstruktiven Austausch mit der Jägerschaft und arbeiten eng mit Jägerinnen und Jägern zusammen. So kam auch der Hinweis, der uns im Januar auf dieses Gebiet aufmerksam gemacht hat, aus der hessischen Jägerschaft. Für unsere Arbeit ist nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Interessengruppe entscheidend, sondern die Einhaltung der geltenden artenschutzrechtlichen Bestimmungen.
Zu Ihrer Frage, was wir konkret vor Ort tun: Unsere Mitglieder halten sich regelmäßig im Gebiet auf, beobachten und dokumentieren artenschutzrechtlich relevante Sachverhalte und gehen konkreten Hinweisen nach. Zu Einsatzzeiten, konkreten Örtlichkeiten, Personen, einzelnen Beobachtungen oder Methoden unserer laufenden Arbeit machen wir keine weitergehenden öffentlichen Angaben. Dies dient sowohl dem Schutz unserer Mitglieder als auch der Integrität laufender Recherchen.
Dass diese Zurückhaltung keine abstrakte Vorsichtsmaßnahme ist, hat sich seit Beginn unserer Tätigkeit in der Region leider bereits gezeigt. Wir haben unsere Präsenz im Gebiet von Anfang an offen und transparent kommuniziert. In diesem Zusammenhang erreichte uns unter anderem eine E-Mail mit folgendem Wortlaut: „Ihr fotzen haltet euch für besonders schlau??? In Hessen habt ihr KEINE chance!!! Unfälle passieren immer wider“.
Diese Nachricht haben wir angesichts ihres Wortlauts und insbesondere der Formulierung „Unfälle passieren immer wider“ als konkrete Einschüchterung im Zusammenhang mit unserer Tätigkeit in Hessen verstanden. Gerade vor diesem Hintergrund veröffentlichen wir weder konkrete Einsatzzeiten und Aufenthaltsorte noch Informationen, die Rückschlüsse auf einzelne Mitglieder oder unsere operative Vorgehensweise zulassen.
In diesem Zusammenhang halten wir auch einen weiteren Punkt für wesentlich: Weder die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht noch eine behördliche Ausnahmegenehmigung hebt seinen besonderen und strengen artenschutzrechtlichen Schutz als solchen auf. Eine Entnahme ist daher nicht voraussetzungslos zulässig, sondern nur dann, wenn die hierfür geltenden rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind und sie sich innerhalb des Rahmens einer wirksamen Genehmigung bewegt. Auf die Einhaltung dieser Vorgaben richtet sich unser Augenmerk.
Ein weiterer Aspekt unserer Tätigkeit betrifft den Herdenschutz. Im Umfeld des Greifensteiner Rudels haben wir wiederholt aus unserer Sicht erhebliche Defizite bei Schutzmaßnahmen an Weidetierhaltungen festgestellt und dokumentiert. Entsprechende Feststellungen haben wir in mehreren Fällen bereits dem zuständigen Veterinäramt gemeldet. Auch diese Dokumentation gehört für uns zu einer sachlichen Betrachtung der Situation vor Ort, weil die tatsächlichen Gegebenheiten beim Herdenschutz bei der Bewertung von Konflikten zwischen Weidetierhaltung und Wolf nicht ausgeblendet werden sollten.
In diesem Zusammenhang möchten wir auch die Formulierung „Ihre Mitstreiter“ in Ihrer dritten Frage richtigstellen. Im Umfeld des Greifensteiner Rudels sind neben uns weitere Personen und Organisationen aktiv, die sich dem Wolfsschutz zurechnen. Diese sind weder automatisch Mitglieder der Taskforce: Artenschutz e.V. noch in unserem Auftrag tätig, und es besteht auch nicht zwangsläufig eine Zusammenarbeit mit ihnen.
Von einer im Gebiet aktiven Organisation distanzieren wir uns ausdrücklich. Hintergrund sind uns bekannte Äußerungen und Aktionsformen, die mit unserem Verständnis einer seriösen und rechtsstaatlich orientierten Artenschutzarbeit nicht vereinbar sind. Aufrufe zu rechtswidrigen Handlungen, zur Beschädigung oder Sabotage jagdlicher Einrichtungen sowie pauschale Anfeindungen gegenüber Jägerinnen und Jägern lehnen wir ohne Einschränkung ab. Solche Vorgehensweisen haben mit unserer Arbeit nichts zu tun.
Wir bitten deshalb darum, Handlungen oder Äußerungen anderer im Gebiet tätiger Personen oder Organisationen nicht der Taskforce: Artenschutz e.V. zuzurechnen. Für das Verhalten unserer eigenen Mitglieder können und werden wir Stellung beziehen. Für Personen, Gruppierungen oder Vereine, mit denen wir nicht zusammenarbeiten, können wir das naturgemäß nicht.
Zu Ihrer dritten Frage selbst: Dass sich „viele Jäger“ von unseren Mitgliedern bedroht fühlten und manche deshalb Sorge hätten, einen Hochsitz aufzusuchen, können wir nicht nachvollziehen. Unsere Mitglieder bedrohen oder bedrängen niemanden, verfolgen keine einzelnen Jäger und behindern niemanden bei der rechtmäßigen Jagdausübung. Ein solches Verhalten entspricht weder unserem Auftrag noch unserer Arbeitsweise.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass uns seit Beginn unserer Tätigkeit in der Region wiederholt Schilderungen von unbeteiligten Waldbesuchern erreicht haben. Darunter befinden sich Spaziergänger, Menschen mit Hunden sowie Familien mit Kindern. Uns wurde dabei unter anderem berichtet, dass Personen von Jagdausübenden auf ihre Anwesenheit angesprochen, zum Verlassen des Gebietes aufgefordert oder mit dem Vorwurf konfrontiert worden seien, sich dort unberechtigt aufzuhalten. In einzelnen uns geschilderten Fällen wurde das Verhalten der Jagdausübenden von den Betroffenen auch als einschüchternd oder bedrohlich empfunden.
Diese Mitteilungen liegen uns teilweise schriftlich vor. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir damit keine pauschalen Vorwürfe gegen die Jägerschaft erheben und die jeweiligen Schilderungen nicht in jedem Einzelfall unabhängig verifizieren können. Sie zeigen jedoch, weshalb wir bei der Frage nach einem vermeintlichen „Bedrohungsgefühl“ eine Betrachtung des konkreten Einzelfalls für erforderlich halten.
Ob und aus welchen Gründen sich einzelne Personen durch unsere bloße Anwesenheit im Gebiet subjektiv unwohl oder gar bedroht fühlen, können wir nicht beurteilen. Unsere Mitglieder bewegen sich dort im Rahmen der geltenden Bestimmungen. Allein ihre Anwesenheit und die Wahrnehmung unserer Aufgaben im operativen Artenschutz stellen keine Bedrohung dar.
Die Behauptung, Mitglieder unseres Vereins würden Menschen bedrohen, halten wir allerdings für so schwerwiegend, dass sie aus unserer Sicht nicht ohne einen konkret benennbaren Sachverhalt im Raum stehen sollte. Sollte Ihnen gegenüber tatsächlich ein entsprechender Vorwurf erhoben worden sein, bitten wir daher um Mitteilung, worauf dieser konkret gestützt wird. Gibt es hierzu Zeugen, Bild- oder Videoaufnahmen, Nachrichten, sonstige Dokumentationen oder andere nachvollziehbare Belege?
Sollte es tatsächlich zu einer Bedrohung, Nötigung oder einem vergleichbaren Fehlverhalten durch eines unserer Mitglieder gekommen sein, wäre für uns zudem von Interesse, ob der betreffende Sachverhalt den zuständigen Behörden gemeldet oder zur Anzeige gebracht wurde. Ein konkretes Fehlverhalten eines unserer Mitglieder würden auch wir nicht akzeptieren und selbstverständlich intern aufklären.
Sollten hingegen keine konkreten Vorfälle oder Belege vorliegen, halten wir es für problematisch, aus einem nicht näher konkretisierten subjektiven „Bedrohungsgefühl“ öffentlich den Eindruck entstehen zu lassen, Mitglieder der Taskforce: Artenschutz e.V. würden Menschen bedrohen oder Jagdausübende einschüchtern.
Wir bitten deshalb darum, entsprechende Vorwürfe nicht pauschal zu formulieren, sondern uns die zugrunde liegenden konkreten Sachverhalte mitzuteilen. Nur so erhalten wir überhaupt die Möglichkeit, diese zu prüfen und qualifiziert dazu Stellung zu nehmen.
Unsere Aufgabe besteht darin, mögliche Verstöße gegen geltendes Artenschutzrecht zu dokumentieren und entsprechende Sachverhalte gegebenenfalls den zuständigen Behörden zur Kenntnis zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger.
Mit freundlichen Grüßen
2. Nachricht an den Redakteur
Sehr geehrter Herr Jakob,
nachdem wir den am 19. August im ARD-Mittagsmagazin ausgestrahlten Beitrag inzwischen vollständig gesehen haben und Sie uns darüber informiert haben, dass dieser auch im Rahmen der hessenschau ausgestrahlt werden soll, möchten wir Ihnen hierzu noch einmal eine Rückmeldung geben.
Wir bedauern die Art der Berichterstattung ausdrücklich. Der fertige Beitrag bestätigt leider unsere bereits im Vorfeld bestehenden Bedenken hinsichtlich einer ausgewogenen Darstellung unserer Tätigkeit.
Insbesondere entsteht aus unserer Sicht ein Bild der Taskforce: Artenschutz e.V. als Organisation, die sich gegen die Jägerschaft richtet beziehungsweise deren Mitglieder vor Ort Jagdausübende gezielt beobachten oder bedrängen würden. Dieses Bild entspricht weder unserer Tätigkeit noch dem, was wir Ihnen in unserer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme mitgeteilt haben.
Besonders problematisch empfinden wir, dass im Beitrag wiederholt der Eindruck vermittelt wird, Menschen beziehungsweise Jagdausübende vor Ort fühlten sich durch Tierschützer oder unsere Tätigkeit bedroht. Bereits auf Ihre schriftlichen Fragen haben wir deutlich gemacht, dass wir einen solchen Vorwurf für schwerwiegend halten und deshalb um konkrete Sachverhalte gebeten haben: Wer soll durch eines unserer Mitglieder bedroht worden sein? Wann und wo soll dies geschehen sein? Was genau wird einem unserer Mitglieder vorgeworfen? Gibt es Zeugen, Aufnahmen, Nachrichten oder sonstige Belege? Wurde ein entsprechender Vorfall bei den zuständigen Behörden angezeigt?
Auf diese Fragen haben wir bis heute keine Antworten erhalten.
Stattdessen werden entsprechende Aussagen im Beitrag wiedergegeben, ohne dass für den Zuschauer erkennbar wird, auf welchen konkreten Tatsachen sie beruhen. Unsere umfangreiche Stellungnahme findet demgegenüber lediglich insoweit Eingang in den Beitrag, als erwähnt wird, dass wir den Vorwurf einer Bedrohung zurückweisen.
Irritiert hat uns in diesem Zusammenhang insbesondere die Verwendung von Ausschnitten aus unseren eigenen Veröffentlichungen auf Facebook und Instagram. Darin weisen wir darauf hin, dass wir in dem betreffenden Gebiet aktiv sind, dass der Wolf weiterhin einem besonderen und strengen rechtlichen Schutz unterliegt und dass wir bei konkreten Anhaltspunkten für eine rechtswidrige Tötung oder Verletzung eines Wolfes die zuständigen Behörden einschalten beziehungsweise Strafanzeige erstatten werden.
Sollten gerade diese Aussagen im Beitrag als Beleg oder Illustration einer vermeintlichen „Bedrohung“ von Jagdausübenden dienen, weisen wir diese Interpretation entschieden zurück.
Die Ankündigung, einen möglichen Verstoß gegen geltendes Recht zu dokumentieren und den zuständigen Behörden anzuzeigen, ist keine Bedrohung. Sie beschreibt vielmehr genau das rechtsstaatliche Verfahren, das jedem Bürger und selbstverständlich auch einem Artenschutzverein offensteht. Eine Tötung eines Wolfes ist nicht voraussetzungslos zulässig, sondern nur innerhalb der hierfür geltenden gesetzlichen Voraussetzungen und gegebenenfalls einer wirksamen behördlichen Genehmigung. Außerhalb dieses rechtlichen Rahmens werden wir entsprechende Sachverhalte auch weiterhin dokumentieren und zur Anzeige bringen.
Ebenso wenig stellt die öffentliche Ankündigung unserer Anwesenheit im Gebiet eine Bedrohung dar.
Gerade weil wir wissen, dass unsere Tätigkeit in konfliktbehafteten Situationen zu gegenseitigen Vorwürfen führen kann, haben wir bereits früh damit begonnen, unsere operativ tätigen Regionalteams mit Bodycams auszustatten und unsere Mitglieder entsprechend zu schulen. Bei Außeneinsätzen wird das Einsatzgeschehen grundsätzlich fortlaufend dokumentiert und nicht lediglich in ausgewählten Situationen oder einzelnen Sequenzen aufgezeichnet. Die Aufzeichnungen werden gesichert und können bei konkretem Anlass intern ausgewertet und rechtlich eingeordnet werden.
Dies dient nicht nur dem Schutz unserer Mitglieder, sondern ermöglicht gerade auch die objektive Aufklärung von Vorwürfen gegen sie.
Deshalb haben wir ein erhebliches eigenes Interesse daran zu erfahren, worauf die im Beitrag wiedergegebenen Behauptungen konkret beruhen. Sollte ein Jagdausübender behaupten, an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit und an einem bestimmten Ort durch eines unserer Mitglieder bedroht, bedrängt, verfolgt oder bei der rechtmäßigen Jagdausübung behindert worden zu sein, bitten wir um Mitteilung dieses konkreten Sachverhalts. Soweit sich der behauptete Vorgang einem unserer Einsätze zuordnen lässt, können wir anhand unserer Einsatzdokumentation und vorhandener Aufzeichnungen prüfen, was tatsächlich geschehen ist.
Sollte es ein Fehlverhalten eines unserer Mitglieder gegeben haben, haben auch wir ein Interesse daran, dieses aufzuklären. Sollte sich ein Vorwurf hingegen anhand unserer Dokumentation widerlegen lassen, ist dies für die Bewertung einer öffentlich erhobenen Behauptung ebenso relevant.
Dabei hatten wir Ihnen in unserer Stellungnahme bereits weitere Informationen gegeben, die für eine ausgewogene Einordnung aus unserer Sicht wesentlich gewesen wären: Wir haben die örtlichen Hegeringe selbst über unsere Anwesenheit informiert und einen sachlichen Austausch angeboten. Wir arbeiten mit Jägerinnen und Jägern zusammen. Und ausgerechnet ein Hinweis aus der hessischen Jägerschaft bildete im Januar den Ausgangspunkt für unser Engagement in diesem Gebiet.
Ebenso hatten wir darauf hingewiesen, dass wir selbst eine Nachricht mit der Formulierung „Ihr fotzen haltet euch für besonders schlau??? In Hessen habt ihr KEINE chance!!! Unfälle passieren immer wider“ erhalten haben. Auch über die uns vorliegenden Berichte unbeteiligter Waldbesucher über konfliktbehaftete Begegnungen mit einzelnen Jagdausübenden hatten wir Sie informiert.
Von dieser für eine Einordnung aus unserer Sicht wesentlichen Differenzierung findet sich im ausgestrahlten Beitrag praktisch nichts wieder.
Wir möchten an dieser Stelle auch offen ansprechen, weshalb wir uns nach Ihrer ursprünglichen Anfrage letztlich gegen ein persönliches Interview entschieden haben. Wie bei Presseanfragen zu sensiblen laufenden Recherchen üblich, haben wir uns im Vorfeld auch mit dem journalistischen Hintergrund des anfragenden Redakteurs beschäftigt. Dabei sind wir auf Ihren eigenen jagdlichen Hintergrund und entsprechende Verbindungen in den jagdlichen Bereich gestoßen.
Das ist für uns ausdrücklich kein Vorwurf. Wir sind keine Jagdgegner und bewerten einen Menschen nicht danach, ob er Jäger ist oder nicht. Bei einer Berichterstattung, in der gerade ein vermeintlicher Konflikt zwischen Jägerschaft und Artenschutzorganisationen zum Gegenstand gemacht wird, war dies für uns jedoch ein nachvollziehbarer Grund für besondere Zurückhaltung.
Hinzu kam, dass uns bereits einige Wochen zuvor eine Kontaktanfrage des Pressesprechers des Landesjagdverbandes Hessen über Facebook erreicht hatte. Auch dies haben wir zunächst lediglich zur Kenntnis genommen. In der Gesamtschau haben wir uns jedoch entschieden, unsere Mitglieder und laufenden Recherchen zu schützen und Ihnen statt eines Interviews eine ausführliche schriftliche Stellungnahme anzubieten. Nach Ansicht des ausgestrahlten Beitrags sehen wir uns in dieser Entscheidung bestätigt.
Unabhängig davon möchten wir eines sehr deutlich machen: Der Beitrag wird keinerlei Auswirkungen darauf haben, ob wir unsere Arbeit im Gebiet des Greifensteiner Wolfsrudels fortsetzen.
Wir werden dort weiterhin präsent sein, artenschutzrechtlich relevante Sachverhalte beobachten und dokumentieren und konkrete Verdachtsfälle gegebenenfalls den zuständigen Behörden übergeben. Die reguläre und rechtmäßige Jagdausübung ist und bleibt dabei nicht Gegenstand unserer Tätigkeit.
Der Beitrag bewirkt insofern keinen Rückzug. Im Gegenteil: Die öffentliche Diskussion bestärkt uns darin, unsere Arbeit vor Ort konsequent, sachlich und rechtssicher fortzuführen.
Da im ausgestrahlten Beitrag aus unserer Sicht Aussagen enthalten beziehungsweise Eindrücke vermittelt werden, deren Tatsachengrundlage für uns nicht nachvollziehbar ist, haben wir die Berichterstattung inzwischen unserem anwaltlichen Beistand zur rechtlichen Prüfung übergeben. Wir werden das Ergebnis dieser Prüfung zunächst abwarten und behalten uns abhängig davon weitere Schritte ausdrücklich vor.
Da Sie eine weitere Ausstrahlung im Rahmen der hessenschau angekündigt haben, bitten wir Sie nochmals, uns vor einer erneuten Veröffentlichung mitzuteilen, auf welche konkreten Tatsachen und Belege sich die im Beitrag transportierten Aussagen über eine angebliche Bedrohung durch unsere Mitglieder beziehungsweise unsere Organisation stützen.
Sollten konkrete Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder der Taskforce: Artenschutz e.V. bestehen, erwarten wir selbstverständlich die Möglichkeit, zu diesen konkreten Sachverhalten Stellung nehmen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Maximilian Hempel
1. Vorsitzender
Taskforce: Artenschutz e.V.
Gespräch mit einem Jäger
Fast zwei Jahre habe ich nach einem Jäger gesucht, der dazu bereit ist.
Nicht nach jemandem, der uns erklären möchte, warum wir mit unserer Kritik an der Jagd falschliegen. Nicht nach einem inszenierten Streitgespräch. Sondern nach einem Menschen, der bereit ist, einen Vertreter einer deutlich jagdkritischen Artenschutzorganisation mit in sein Revier zu nehmen, Einblicke zu gewähren und sich auch Fragen zu stellen, bei denen vorher klar ist, dass sie unbequem werden können.
Am 13. August war es schließlich so weit.
Der Wecker klingelte um vier Uhr morgens. Kurz nach halb fünf machte ich mich auf den Weg zu unserem vereinbarten Treffpunkt in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa eine Stunde später trafen wir uns und fuhren gemeinsam mit seinem Wagen weiter in sein Jagdrevier.

Was mich dort erwarten würde, wusste ich nicht wirklich. Natürlich hatten wir vorher miteinander gesprochen und ungefähr abgesteckt, worum es gehen könnte. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob man über Jagd am Telefon oder über Nachrichten diskutiert oder ob ein überzeugter Artenschützer und ein Jäger gemeinsam auf einem Hochsitz sitzen.
Und genau dort verbrachten wir die nächsten knapp drei Stunden.
Vor uns lag ein Wiesenstreifen am Waldrand. Es war ruhig und nahezu windstill. Langsam kam die Sonne über den Wald. Immer wieder traten Rehe auf die Fläche und begannen zu äsen. Ein Fuchs ließ sich sehen, verschiedene Vogelarten begleiteten den Morgen.
Und es fiel kein Schuss.
Wir saßen einfach dort, beobachteten und redeten.

Für mich war genau das einer dieser Momente, in denen sich zwangsläufig eine Frage aufdrängt, die weit über diesen einen Morgen hinausgeht: Was wäre, wenn genau dies Jagd wäre? Das frühe Aufstehen, der Ansitz, die Ruhe, die Spannung, das genaue Beobachten eines Tieres und die Freude darüber, ihm so nahe sein zu können – und am Ende gingen beide wieder ihres Weges?
Ich habe ihm diese Frage später noch einmal ausdrücklich gestellt.
Seine Antwort war bemerkenswert. Er sagte sinngemäß, dass er das durchaus häufig genau so mache. Nicht jeder Ansitz ende mit einem erlegten Tier. Gleichzeitig gehöre für ihn aber dazu, dass eben auch gelegentlich ein Tier erlegt werden müsse.
Und genau dort verlaufen Grenzen zwischen unseren Positionen.
Wir als Taskforce: Artenschutz e.V. stehen der Jagd in vielen Bereichen deutlich kritisch gegenüber. Daran hat dieser Tag nichts geändert. Ein angenehmer persönlicher Kontakt darf nicht dazu führen, inhaltliche Differenzen nachträglich weichzuzeichnen. Gerade bei der Bejagung von Beutegreifern wie Füchsen oder Waschbären liegen unsere Auffassungen teilweise weit auseinander.
Aber wenn wir einen ernsthaften gesellschaftlichen Diskurs über Jagd und Artenschutz verlangen, müssen wir ebenso bereit sein anzuerkennen, wenn uns jemand diesen Diskurs ermöglicht.
Und genau das hat dieser Jäger getan.

Beim Wolf beispielsweise fanden wir überraschend deutliche Gemeinsamkeiten. Seit der Änderung des Bundesjagdgesetzes im Frühjahr 2026 gehört der Wolf zum Jagdrecht; die gesetzlichen Möglichkeiten für Eingriffe wurden verändert und in Mecklenburg-Vorpommern anschließend landesrechtlich umgesetzt. Für uns als Artenschutzorganisation ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung, denn der Schutz streng beziehungsweise besonders geschützter Arten und insbesondere die Aufdeckung illegaler Tötungen von Wolf und Luchs gehören zu den Schwerpunkten unserer Arbeit.
Umso bemerkenswerter war seine klare Aussage: In seinem Revier werde kein Wolf geschossen.
Auch aus seinem jagdlichen Umfeld schilderte er uns Positionen, die sich deutlich von dem unterscheiden, was man vielleicht pauschal unter „der Jägerschaft“ vermuten würde.
Natürlich beseitigt das unsere grundsätzlichen Bedenken gegenüber einer Bejagung des Wolfes nicht. Aber es zeigt etwas, das in aufgeheizten Diskussionen schnell verloren geht: Jäger sind keine homogene Gruppe. Und wer von anderen verlangt, Artenschützer nicht über einen Kamm zu scheren, sollte selbst nicht denselben Fehler machen.
Schwieriger wurde unser Gespräch beim sogenannten Raubwild.

Füchse und andere Beutegreifer werden in diesem Revier durchaus bejagt. Allerdings erklärte er uns ein Prinzip, das dort offenbar eine wesentliche Rolle spielt: Was sich im Wald bewegt und dort seinen Lebensraum hat, soll dort grundsätzlich auch sein dürfen. Kritischer betrachtet er es, wenn beispielsweise Füchse auf die umliegenden Wiesen und Felder ziehen und dort nach seiner Auffassung Niederwild beziehungsweise brütende Vögel gefährden.
Wir teilen die daraus gezogene Konsequenz der Bejagung nicht einfach.
Aber ich wollte verstehen, warum er sie zieht.
Besonders ausführlich wurde unsere Diskussion beim Waschbären. In seinem Revier befindet sich ein kleineres Gewässer mit Amphibien. Nach seinen Beobachtungen suchen Waschbären gerade während der Amphibienwanderung diesen Bereich auf und erbeuten dort zahlreiche Tiere.
Auch hier stellt sich für uns eine andere Frage als schlicht: Wie viele Waschbären können geschossen werden?
Wenn tatsächlich ein konkreter Konflikt mit einem empfindlichen Amphibienbestand besteht, sollten aus unserer Sicht auch nichttödliche und langfristige Möglichkeiten ernsthaft diskutiert werden. Genau darüber sprachen wir. Wir kamen dabei keineswegs zu einer gemeinsamen Lösung. Aber zum ersten Mal saß ich nicht jemandem gegenüber, der auf eine kritische Nachfrage sofort mit Abwehr reagierte. Wir konnten unterschiedliche Ansätze durchspielen und auch über Möglichkeiten sprechen, die gegenwärtig nicht Bestandteil der üblichen jagdlichen Praxis sind.
Nach mehreren Stunden verließen wir den Hochsitz und gingen in den gegenüberliegenden Wald.
Dort zeigte er mir einen Ort, der mich besonders beeindruckt hat.

Ein Biber hat einen kleinen Bach aufgestaut und dadurch mitten im Wald ein beachtliches Feuchtgebiet geschaffen. Wer dort steht, sieht allerdings auch unmittelbar den Preis dieser Veränderung. Alte, teilweise mächtige Bäume sind durch die Aktivitäten des Bibers erheblich geschädigt oder bereits abgestorben. Aus menschlicher Perspektive kann man diesen Verlust bedauern.
Aber der Biber darf dort Biber sein.
Er darf diesen Wald verändern.
Und aus den Veränderungen ist etwas Neues entstanden: ein strukturreicher, wassergeprägter Lebensraum. Nach den Beobachtungen aus dem Revier brüten dort unter anderem Stockenten; auch Kraniche haben den Bereich bereits zur Brut genutzt. Im Sommer dient das Wasser verschiedenen Wildtieren als Tränke.
Gerade dieser Ort blieb bei mir hängen.
Natur bedeutet eben nicht, einen bestimmten Zustand einzufrieren. Natur verändert sich. Ein Biber fragt nicht, ob ein alter Baum aus menschlicher Sicht erhaltenswert ist. Er gestaltet seinen Lebensraum – und schafft dadurch gleichzeitig Lebensbedingungen für andere Arten.
Auch hier hätte ich nach vielen Erfahrungen, die wir als Artenschützer machen, eine andere Haltung erwarten können. Stattdessen wurde dieses Gebiet nicht als vom Biber verursachtes Ärgernis präsentiert, das beseitigt werden müsse, sondern als Lebensraum, in dem der Biber seinen Platz hat.

Später kamen wir zu einem alten Dachsbau. Dort leben beziehungsweise verkehren Dachs und Fuchs. In dessen Umgebung werden Jagdreste ausgelegt. Die dahinterstehende Überlegung wurde mir sehr offen erklärt: Wenn die Tiere im Wald Nahrung finden, sollen sie möglichst dort bleiben. Im Wald werden sie akzeptiert; gleichzeitig soll so der Druck auf Tiere der angrenzenden Offenflächen verringert werden.
Auch darüber kann und muss man diskutieren. Und auch hier teilen wir nicht automatisch jede Schlussfolgerung.
Doch dieser Tag bekam seine eigentliche Tiefe ohnehin nicht durch die Frage, bei welcher Tierart wir uns einigen konnten.
Sie entstand dort, wo es grundsätzlich wurde.
Ich fragte ihn später, wie es für ihn wäre, all das weiterhin zu erleben – Natur, Ansitz, Stille, Spannung, das Auftauchen eines Tieres – und anschließend nach Hause zu gehen, während auch das Tier weiterlebt.
Und ich stellte ihm noch eine wesentlich direktere Frage:
Was fühlst du, wenn du ein unschuldiges Lebewesen tötest?
Seine Antwort war: Demut.

Er beschrieb, dass er nach dem Erlegen eines Tieres keinen Triumph empfinde. Er denke nicht daran, wie großartig es sei, ein Tier getötet zu haben. Er empfinde vielmehr Dankbarkeit und Demut darüber, dass er dieses Tier erlegen konnte und dadurch Fleisch gewonnen habe.
Man muss diese Sichtweise nicht teilen.
Wir teilen sie in wesentlichen Punkten nicht.
Aber eine weitere Aussage aus unserem Gespräch hat mich besonders beschäftigt.
Er erklärte sinngemäß, dass er in diesem Zusammenhang gar nicht erst von Moral sprechen wolle. Denn ihm sei bewusst, dass er ein Lebewesen töte. Sobald man Leben nehme, könne man sich seiner Auffassung nach nicht mehr einfach auf Moral berufen.
Das ist ein Satz, über den man lange diskutieren kann.
Auch philosophisch lässt sich ihm widersprechen, denn selbstverständlich können Entscheidungen über Leben und Tod Gegenstand moralischer Abwägungen sein. Trotzdem empfand ich diese Aussage als außergewöhnlich offen.
Denn hier versuchte niemand, das Töten sprachlich verschwinden zu lassen.
Da saß ein Jäger vor einem erklärten Jagdkritiker und sagte nicht: Es ist doch nur Wildmanagement. Es ist eben Hege. Es muss halt sein. Sondern er bekannte sich dazu, dass am Ende eines erfolgreichen Schusses ein Lebewesen stirbt – und dass diese Tatsache für ihn Gewicht besitzt.
Für uns folgt daraus eine andere Konsequenz.

Wenn wir anerkennen, dass ein Tier ein empfindungsfähiges Lebewesen mit einem eigenen Leben ist, dann reicht für uns die Tatsache, dass seine Tötung gesetzlich zulässig oder jagdlich üblich ist, nicht als ethische Begründung aus. Gerade dort, wo Tiere nicht aus einer konkreten, unabwendbaren Notwendigkeit heraus getötet werden, stellen wir die Frage nach der Rechtfertigung dieses Eingriffs.
Daran ändert auch ein respektvoller Jäger nichts.
Aber ein respektvoller Jäger verändert die Qualität der Diskussion darüber.
Und deshalb gehört zu diesem Bericht etwas, das mir wichtig ist:
Danke.
Danke an einen jungen Jäger aus Mecklenburg-Vorpommern, der nach fast zwei Jahren Suche bereit war, das zu tun, wozu sich zuvor niemand gefunden hatte.
Danke dafür, dass ich nicht nur für eine Stunde zu einem Gespräch eingeladen wurde, sondern mit in das Revier durfte.
Danke dafür, dass mir nichts vorgeführt werden musste.
Danke für kritische Antworten, für Widerspruch und auch dafür, Fragen auszuhalten, deren Formulierung bereits deutlich machte, aus welcher Richtung sie kommen.
Das verdient Anerkennung.

Denn unsere Erfahrungen mit Teilen der Jägerschaft sehen leider auch anders aus. Wir erleben Diffamierungen und Anfeindungen und wurden im Zusammenhang mit unserer Arbeit auch mit Bedrohungen konfrontiert. Unsere eigene Empfehlung an Menschen, die im Artenschutz unterwegs sind, lautet deshalb ausdrücklich, aggressive Auseinandersetzungen mit Jägern oder Landwirten zu vermeiden und sich bei einer Eskalation zurückzuziehen.
Vor diesem Hintergrund hatte diese Begegnung für mich noch einmal eine andere Bedeutung.
Dieser Jäger muss unsere Positionen nicht übernehmen, um unseren Respekt zu verdienen. Er muss die Jagd nicht aufgeben, damit ich anerkennen kann, wie er mit uns umgegangen ist.
Für mich hat sein Verhalten Vorbildcharakter.
Nicht, weil ich seine jagdlichen Entscheidungen nun plötzlich richtig finde.
Sondern weil er etwas getan hat, das eigentlich selbstverständlich sein sollte und dennoch viel zu selten gelingt: Er hat einen Menschen mit einer fundamental anderen Haltung in seine Welt gelassen. Er hat erklärt, statt zu diffamieren. Er hat widersprochen, statt persönlich zu werden. Er hat Kritik ausgehalten, ohne den Kritiker zum Feind zu erklären.
Und ich hoffe ausdrücklich, dass andere Jäger diesem Beispiel folgen.
Unsere jagdkritische Haltung werden wir deshalb nicht ablegen. Die Taskforce: Artenschutz e.V. wird weiterhin dort widersprechen, wo Tiere aus unserer Sicht unnötig getötet werden, und insbesondere dort konsequent handeln, wo geschützte Tiere illegal verfolgt oder getötet werden. Genau das gehört zu unserem selbst formulierten Auftrag.
Aber Kritik und Dialog schließen sich nicht aus.
Im Gegenteil.

Wer eine Position ernst nimmt, muss sie auch einer Begegnung mit der anderen Seite aussetzen können.
An diesem Morgen saßen ein Jäger und ein Jagdkritiker gemeinsam auf einem Hochsitz. Vor ihnen traten Rehe aus dem Wald. Ein Fuchs zog über die Fläche. Vögel waren zu hören. Langsam stieg die Sonne über die Bäume.
Wir waren uns in vielem nicht einig.
Keines der Tiere, die wir in diesen Stunden beobachteten, musste wegen unserer unterschiedlichen Überzeugungen sterben.
Und vielleicht war genau das der passendste Rahmen für dieses Gespräch.
Man kann nebeneinandersitzen, dieselben Tiere betrachten und zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen.
Entscheidend ist, was man daraus macht.
An diesem Morgen haben wir miteinander gesprochen.
Fair, offen und ohne unsere Unterschiede zu verstecken.
Davon brauchen Artenschutz und Jagd sehr viel mehr.
DRINGENDER AUFRUF ZUR AUFKLÄRUNG DES VERSCHWINDENS DES HAMBURGER WOLFES
Die Taskforce: Artenschutz e.V. bittet die Öffentlichkeit um Unterstützung bei der Aufklärung des Verschwindens des jungen Wolfs, der nach seiner Umsiedlung mit einem Peilsender ausgestattet worden war.
Nach Angaben der zuständigen Behörden ist der Kontakt zum Sender Ende Mai abrupt abgerissen. Weder das Tier noch der Sender konnten bislang gefunden werden. Fachleute halten es für möglich, dass der Wolf getötet und der Sender vorsätzlich zerstört wurde. Zugleich sind die genauen Umstände weiterhin ungeklärt.
Gerade deshalb ist jetzt jede sachdienliche Information von Bedeutung.Belohnung für entscheidende HinweiseDie Taskforce: Artenschutz e.V. setzt eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise aus, die
- zum Auffinden des toten Wolfes führen,
- zum Auffinden des verschwundenen Senders beitragen,
- oder zur Identifizierung des oder der Verantwortlichen führen und durch belastbare Beweise gestützt werden.
Wir laden darüber hinaus ausdrücklich Vereine, Stiftungen, Unternehmen sowie Privatpersonen ein, diese Belohnung aufzustocken. Jede zusätzliche Unterstützung erhöht die Chancen, diesen Fall aufzuklären und mögliche Straftaten gegen streng geschützte Wildtiere nicht ungesühnt zu lassen.Wer die Belohnung finanziell erhöhen möchte, kann seinen Beitrag per PayPal an taskforce-artenschutz@gmx.de senden. Bitte als Verwendungszweck bzw. Stichwort „Hamburgwolf“ angeben. Sämtliche zweckgebundenen Spenden fließen vollständig in die Auslobung der Belohnung für sachdienliche Hinweise in diesem Fall ein.Über die Gesamthöhe der Belohnung wird die Taskforce: Artenschutz e.V. transparent informieren. Sollte das Tier wohlbehalten aufgefunden werden, werden wir alle zweckgebundenen Spenden für die Belohnung selbstverständlich an die jeweiligen Spender zurückerstatten. Transparenz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln sind für uns selbstverständlich.Wer kann helfen?Gesucht werden Personen, die
- Beobachtungen im Bereich der letzten bekannten Aufenthaltsorte gemacht haben,
- verdächtige Aktivitäten, Fahrzeuge oder Personen wahrgenommen haben,
- über Informationen zum Verbleib des Wolfes oder des Senders verfügen,
- Fotos, Videos oder andere Beweismittel besitzen,
- oder sonstige Hinweise geben können, die zur Aufklärung beitragen.
Auch Informationen, die zunächst unbedeutend erscheinen, können für die Ermittlungen von entscheidender Bedeutung sein.Unser AppellSollte sich der Verdacht bestätigen, dass ein streng geschützter Wolf illegal getötet wurde, handelt es sich nicht nur um einen Angriff auf ein einzelnes Tier, sondern auf den gesetzlichen Artenschutz insgesamt.
Deshalb bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger, Jäger, Landnutzer, Naturfreunde und Anwohner, aufmerksam zu sein und vorhandene Informationen weiterzugeben.
Wichtiger Hinweis
Die Taskforce: Artenschutz e.V. distanziert sich ausdrücklich von jeder Form der Selbstjustiz!
Wir rufen ausschließlich dazu auf, rechtmäßig erlangte Informationen an die zuständigen Behörden oder an die Taskforce: Artenschutz e.V. zu übermitteln. Niemand soll eigenständig ermitteln, Personen verfolgen, Grundstücke betreten oder andere Maßnahmen ergreifen, die gegen geltendes Recht verstoßen.
Die Aufklärung möglicher Straftaten ist Aufgabe der zuständigen Ermittlungsbehörden.Jetzt Hinweise meldenWer über sachdienliche Informationen verfügt, wird gebeten, diese zeitnah und vertraulich mitzuteilen.
Jeder Hinweis kann entscheidend sein. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und sicherzustellen, dass Verstöße gegen den Artenschutz aufgeklärt werden.
Informationen bitte an: info@taskforce-artenschutz.de
Maximilian Hempel
1. Vorsitzender
Taskforce: Artenschutz e.V.
„Artenschutz braucht Aufklärung.“
Für Rückfragen:
Maximilian Hempel 1. Vorsitzender Tel.: 0160/92286061
E-Mail: info@taskforce-artenschutz.de
COEXISTENCE WALK 2026 – Eine Woche, die Hoffnung macht
Vom 29. Mai bis zum 4. Juni durfte ich am COEXISTENCE WALK 2026 in Brandenburg teilnehmen. Was ursprünglich als mehrtägige Dialog- und Wanderveranstaltung rund um das Thema Wolf, Herdenschutz und Koexistenz geplant war,entwickelte sich für mich zu einer der eindrucksvollsten Erfahrungen der letzten Jahre.
Bereits am Anreisetag im Turmhotel Schwedt wurde deutlich, dass diese Veranstaltung etwas Besonderes werden würde. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kannte ich bereits aus Telefonaten, Videokonferenzen, sozialen Netzwerken oder aus der gemeinsamen Arbeit für Natur- und Artenschutz. Manche Namen begleiten mich seit Jahren. Doch nun standen wir uns zum ersten Mal persönlich gegenüber.
Es waren vertraute Begegnungen mit Menschen, die man gefühlt schon lange kennt, obwohl man sich bislang nie die Hand gereicht hatte. Gleichzeitig entstanden viele neue Kontakte und Freundschaften.
Besonders beeindruckt haben mich Harry und Gabriele Neumann von der Naturschutzinitiative. Ebenso durfte ich Peter Nawrath kennenlernen, der vielen Menschen, die sich mit dem Thema Wolf beschäftigen, längst ein Begriff ist. Seine sympathische, offene und authentische Art machte ihn vom ersten Moment an zu einer Persönlichkeit, mit der man stundenlang sprechen konnte. Überhaupt war die gesamte Veranstaltung geprägt von außergewöhnlichen Menschen, die eines gemeinsam hatten: den Wunsch, Lösungen zu finden statt Konflikte zu verschärfen.
Auch aus den Reihen der Taskforce: Artenschutz e.V. waren Mitglieder wie Frank die gesamte Zeit mit dabei. Unsere vielen Gespräche und gemeinsamen Erlebnisse werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckend war sein enormes ornithologisches Fachwissen. Während der Wanderungen identifizierte er scheinbar mühelos zahlreiche Vogelarten anhand ihrer Stimmen und vermittelte vielen Teilnehmern spannende Einblicke in die heimische Vogelwelt. Solche Momente machten den besonderen Charakter dieser Veranstaltung aus.
Die ersten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Kennenlernens und der Fachvorträge. Expertinnen und Experten aus Deutschland, Polen und Österreich brachten ihre Erfahrungen ein und beleuchteten das Thema Koexistenz mit dem Wolf aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Dabei wurde schnell klar, dass es keine einfachen Lösungen gibt, aber sehr wohl viele Menschen, die bereit sind, gemeinsam nach ihnen zu suchen.
An den folgenden Tagen führte uns der Weg durch die beeindruckenden Landschaften des Unteren Odertals. Die Wanderungen waren weit mehr als reine Wegstrecken zwischen den Veranstaltungsorten. Sie wurden zu mobilen Diskussionsräumen. Zwischen Auenlandschaften, Wiesen und Wäldern entstanden Gespräche, die in klassischen Konferenzräumen wahrscheinlich niemals zustande gekommen wären.
„Der Coexistenz Walk in Brandenburg war für mich eine rundum gelungene und hervorragend organisierte Veranstaltung. Die Fachvorträge der verschiedenen Referenten waren sachlich, informativ und konstruktiv, ebenso wie die anschließenden Diskussionen. Besonders geschätzt habe ich das angenehme Miteinander in der Gruppe sowie das gemeinsame Engagement für unsere wilden Wölfe.
Auch die Wanderung war sehr gelungen. Während der gesamten Veranstaltung fühlte ich mich jederzeit willkommen, gut aufgehoben und bestens versorgt. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis, das gerne wiederholt werden sollte, da der Austausch und die Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf von großer Bedeutung sind.“
– Amelie V., Teilnehmerin des Coexistence Walk 2026 und stellvertretende Regionalleitung Baden-Württemberg der Taskforce: Artenschutz e.V.
Besonders bemerkenswert war die Gesprächskultur. Menschen mit teilweise sehr unterschiedlichen Ansichten begegneten sich respektvoll und auf Augenhöhe. Niemand musste seine Überzeugungen aufgeben. Stattdessen entstand ein ehrlicher Austausch darüber, wie Koexistenz in der Praxis funktionieren kann.
„Der 1. Coexistence Walk 2026 bot fundierte Expertenvorträge, offenen Austausch und wertvolles Networking in einer fairen, respektvollen und lösungsorientierten Atmosphäre. Auch Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter waren ausdrücklich eingeladen, ihre Perspektiven, Erfahrungen und Lösungsansätze einzubringen. Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig der Dialog aller Beteiligten ist, um gemeinsam tragfähige Lösungen für eine sichere und friedliche Koexistenz von Mensch, Weidetieren, Wildtieren und Wolf zu entwickeln. Hoffentlich beteiligen sich in den kommenden Jahren noch mehr Menschen an diesem wichtigen Austausch.
Der Coexistence Walk 2026 überzeugte durch fundierte Expertenvorträge, einen respektvollen Austausch auf Augenhöhe und die Möglichkeit, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen kennenzulernen. Besonders positiv war die offene, faire und lösungsorientierte Atmosphäre, in der gemeinsam über Wege für eine gelingende Koexistenz von Mensch, Weidetieren, Wildtieren und Wolf diskutiert wurde.
Schade war, dass sich noch nicht alle beteiligten Gruppen an diesem Dialog beteiligt haben. Gerade Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Jägerschaft hätten mit ihren Erfahrungen und Perspektiven zu einem noch breiteren Austausch und gemeinsamen Lösungsansätzen beitragen können. Umso mehr bleibt die Hoffnung, dass sich künftig weitere Beteiligte auf einen konstruktiven Dialog einlassen, damit gemeinsam tragfähige und möglichst breit getragene Lösungen entwickelt werden können.“
– Jutta K., Teilnehmerin des Coexistence Walk 2026 und Regionalleitung Baden-Württemberg der Taskforce: Artenschutz e.V.
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung war dies für mich eines der wichtigsten Signale dieser Woche: Es braucht nicht hunderte oder tausende Menschen, um etwas zu bewegen. Es braucht die richtigen Menschen. Menschen, die bereit sind zuzuhören. Menschen, die bereit sind, Kompromisse zu suchen. Menschen, die auch bei Meinungsverschiedenheiten die Hand reichen, statt Gräben zu vertiefen. Wenn man diese Menschen gefunden hat, schließen sich automatisch viele weitere an.
Jeder einzelne Teilnehmer hat in diesen Tagen gezeigt, dass genau dieser Weg möglich ist.
Der 3. Juni stand schließlich ganz im Zeichen des Herdenschutzes. Dabei wurde eines besonders deutlich: Effektiver Herdenschutz beginnt nicht bei politischen Debatten, sondern bei fachlicher Kompetenz und praktischer Erfahrung.
Im Mittelpunkt stand dabei der Herdenschutzhund – das vermutlich wichtigste Werkzeug eines funktionierenden Herdenschutzes. Die Vorträge und Diskussionen machten deutlich, wie vielfältig die europäischen Herdenschutzhunderassen sind und wie unterschiedlich ihre jeweiligen Einsatzgebiete aussehen.
Vor allem aber wurde klar, dass Herdenschutzhund nicht gleich Herdenschutzhund ist. Jeder Hund und jede Rasse besitzen einen eigenen Charakter. Jede Herde ist anders. Jede Weide, jede Region und jede Herausforderung verlangt individuelle Lösungen. Erfolgreicher Herdenschutz lässt sich deshalb nicht pauschalisieren.
Es braucht geeignete Hunde, verantwortungsvolle Züchter, erfahrene Halter und vor allem fachkundige Beratung. Gute Herdenschutzkonzepte entstehen nicht nach Schablone, sondern orientieren sich an den konkreten Gegebenheiten vor Ort.
Genau diese Erkenntnis bildet letztlich auch die Brücke zum gesamten COEXISTENCE WALK: Koexistenz funktioniert nicht durch einfache Antworten oder ideologische Positionen. Sie funktioniert durch Wissen, Erfahrung, Respekt und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Nach diesen Tagen verlasse ich Brandenburg mit vielen neuen Kontakten, wertvollen Erfahrungen und vor allem mit neuer Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sachlicher Dialog auch bei schwierigen Themen möglich ist. Hoffnung darauf, dass Natur- und Artenschutz Menschen verbinden können. Und Hoffnung darauf, dass der Weg zu einer erfolgreichen Koexistenz von Mensch, Wolf und Weidetierhaltung weiter beschritten wird.
Der COEXISTENCE WALK 2026 hat gezeigt, dass dieser Weg existiert. Man muss ihn nur gemeinsam gehen.
Maximilian Hempel
1. Vorsitzender
Taskforce: Artenschutz e.V.
Ausführlicher Einsatzbericht
Einsatzbericht Taskforce Artenschutz
Fall GW2672m - Hornisgrinde-Wolf
Nordschwarzwald – Februar bis März 2026
Ausgangslage
Im Winter 2026 rückte der sogenannte Hornisgrindewolf GW2672m in den Mittelpunkt einer intensiven öffentlichen Debatte im Nordschwarzwald. Hintergrund war eine durch die zuständigen Behörden erteilte Abschussgenehmigung für das Tier.
Begründet wurde diese Entscheidung mit dem Vorwurf sogenannter auffälliger Verhaltensweisen, insbesondere der Annäherung an Menschen sowie an Menschen mit Hunden.
Da der Wolf eine streng geschützte Art ist und eine Tötung nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur als letztes Mittel zulässig ist, entstand schnell eine breite öffentliche Diskussion über die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme.
Vor diesem Hintergrund entschied sich die Taskforce Artenschutz, die Situation vor Ort aktiv zu begleiten.
Beginn der Aktivitäten im Nordschwarzwald
Die Aktivitäten der Taskforce Artenschutz begannen Anfang Februar 2026. In den darauffolgenden Wochen waren Mitglieder regelmäßig im Nordschwarzwald präsent.
Der Fokus lag auf drei zentralen Bereichen:
1. Beobachtung der Situation im Territorium des Wolfs
2. Dokumentation möglicher Verstöße gegen Natur und Artenschutzrecht
3. Gespräche mit lokalen Akteuren, Behörden und Bürgern
Parallel dazu entwickelte sich eine starke zivilgesellschaftliche Bewegung aus engagierten Menschen, die durch Spaziergänge und Mahnwachen auf die Situation aufmerksam machten.
Zivilgesellschaftliches Engagement
Über mehrere Wochen hinweg waren täglich zahlreiche Menschen im Gebiet unterwegs. Viele dieser Spaziergänge fanden bewusst ruhig und besonnen statt.
Ziel war es, Präsenz zu zeigen, Transparenz herzustellen und gleichzeitig jegliche Form der Eskalation zu vermeiden.
Besonders bemerkenswert war die Eigenorganisation vieler Beteiligter. Menschen, die sich zuvor nicht kannten, arbeiteten verantwortungsvoll zusammen und unterstützten sich gegenseitig.
Rolle der Taskforce Artenschutz
Die Taskforce Artenschutz beteiligte sich sowohl an Spaziergängen als auch an der Beobachtung und Dokumentation der Situation im Gebiet.
Mitglieder waren häufig bis spät in die Nacht vor Ort. Gleichzeitig wurden zahlreiche Gespräche mit lokalen Akteuren geführt.
Diese Gespräche dienten dazu, die Situation vor Ort umfassend zu verstehen, mögliche Ursachen für die Eskalation der Situation zu analysieren und bei der Entwicklung von Lösungen aktiv mitzuwirken.
Erkenntnisse aus Gesprächen
Die Gespräche vor Ort zeichneten ein vielschichtiges Bild.
Mehrere Faktoren scheinen zur aktuellen Situation beigetragen zu haben:
1. Politische Ebene
Die Abschussverfügung fiel in eine Phase intensiver politischer Diskussionen und in zeitlicher Nähe zu politischen Entscheidungen. Dies führte zu öffentlichen Diskussionen über mögliche politische Einflüsse.
2. Nationalpark Schwarzwald
Im Austausch mit verschiedenen Akteuren wurde deutlich, dass das Thema Wolf im Nationalpark zwar bekannt war, jedoch über längere Zeit nicht die notwendige Priorität erhielt. Andere große Projekte, unter anderem die Diskussion um die Erweiterung des Nationalparks, banden viele Ressourcen.
3. Verhalten einzelner Besucher.
Ein weiterer wichtiger Faktor war das Verhalten einzelner Menschen im Gebiet. Während viele Besucher sehr verantwortungsvoll handeln, kam es über längere Zeit immer wieder zu Begegnungen zwischen Hunden und dem Wolf.
In einer Region, in der bekannt war, dass der Wolf stark auf Hunde reagiert, führten solche Situationen wiederholt zu problematischen Begegnungen.
Dokumentierte Vorfälle
Während der Einsatzzeit wurden mehrere auffällige Vorfälle dokumentiert.
Dazu gehörten unter anderem:
- verdächtige Fahrzeugbewegungen im Nationalpark
- mögliche Verstöße gegen Wegegebote
- ein Kadaverfund nahe Wohnbebauung
- Beschädigungen von Wildtierkameras durch Saboteure
In mehreren Fällen wurden entsprechende Hinweise an zuständige Behörden weitergegeben bzw. direkt Strafanzeige erstattet.
Verlauf der Abschussverfügung
Während der Laufzeit der Abschussverfügung blieb die Situation angespannt. Gleichzeitig zeigte sich ein außergewöhnliches Maß an zivilgesellschaftlichem Engagement.
Bemerkenswert war zudem, dass Sichtungen des Wolfs im Verlauf der Wochen seltener wurden, was möglicherweise auf ein stärkeres Rückzugsverhalten des Tieres hindeutet.
Ende der Abschussverfügung
Mit Ablauf der Frist entschied das Umweltministerium Baden Württemberg, die Abschussverfügung nicht zu verlängern.
Eine Weiterbejagung wird derzeit nicht angestrebt.
Nach aktuellem Kenntnisstand lebt GW2672m weiterhin.
Dank an alle Beteiligten
Ein besonderer Dank gilt allen Menschen, die sich in den vergangenen Wochen im Nordschwarzwald engagiert haben.
Viele von ihnen waren bei Wind, Schnee, Regen und Kälte im Gebiet unterwegs.
Die Mitglieder der Taskforce Artenschutz haben in dieser Zeit insgesamt rund 2400 Einsatzstunden geleistet. Diese Stunden umfassen Präsenz im Gebiet, nächtliche Beobachtungen, Dokumentation, Gespräche und organisatorische Arbeit.
Darüber hinaus konnten wir in den vergangenen Wochen viele engagierte Menschen kennenlernen. Einige von ihnen sind inzwischen Teil der Taskforce Artenschutz geworden.
Ausblick
Mit dem Auslaufen der Abschussverfügung endet eine intensive Phase, nicht jedoch die Verantwortung für den zukünftigen Umgang mit Wölfen im Nordschwarzwald.
Die Gespräche der vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, dass es um mehr geht als um einen einzelnen Wolf.
Es geht um die Zukunft der Biodiversität im Schwarzwald und um die Frage, wie Menschen und große Beutegreifer langfristig miteinander leben können.
Die Taskforce Artenschutz wird daher weiterhin Gespräche mit lokalen Akteuren führen und Aufklärungsarbeit unterstützen.
Der Vollständigkeit halber: das Video im Titelbild wurde uns anonym gesendet, stammt aber mutmaßlich von der örtlichen Jägerschaft bzw. vom LJV Hessen.
Freitag, 23.01., sehr früh am Morgen. Noch bevor der Tag richtig beginnt, erreicht uns die erste Nachricht aus dem Einsatzgebiet. Eine Kontaktperson vor Ort schlägt Alarm. Nicht zum ersten Mal. Sie berichtet uns, dass sie in der Vergangenheit bereits mehrfach von örtlich aktiven Jägern bedroht wurde. Gleichzeitig teilt sie uns einen brisanten Fund mit. Inmitten eines Wolfsgebiets wurde ein groß angelegter Luderplatz entdeckt. Ein Ort, an dem gezielt Aas ausgelegt wird, um Wildtiere anzulocken. In einem Wolfsrevier ist das ein hochproblematisches Signal.
Ein paar Tage zuvor taucht online ein Video auf, verbreitet u.a. vom Landesjagdverband Hessen inklusive konkreter Ortsangabe. Gezeigt wird ein angeblich neues sechsköpfiges Wolfsrudel. Begleitet wird der Beitrag von Schlagworten wie "Transparenz". Für uns stellt sich sofort die Frage, welches Ziel diese Veröffentlichung tatsächlich verfolgt. Kurz darauf melden Anwohner zusätzlich eine Ankündigung zur Drückjagd für Samstag, den 24.01. Ausgerechnet in diesem Gebiet. Die Lage spitzt sich weiter zu.
Für die Taskforce: Artenschutz ist schnell klar, dass sofort gehandelt werden muss. Der gesamte Freitag wird zur intensiven Recherchephase. Wir sammeln Hinweise, überprüfen Hintergründe, führen Gespräche und setzen Informationen zusammen. Parallel treten wir mit der zuständigen Jagdbehörde in Kontakt und erhalten den Namen des Organisators der geplanten Drückjagd. Ab diesem Moment beginnt eine tiefgehende Analyse der beteiligten Person. Unsere Recherchen ergeben, dass es sich um einen niederländischen Trophäenjäger handelt, der international unterwegs ist und sich auf die Jagd besonderer Tiere spezialisiert hat. Zusätzlich nehmen wir Kontakt zu Menschen aus dem direkten Umfeld des Reviers auf. Mehrere unabhängige Quellen bestätigen uns, dass diese Person vor Ort als schnell aggressiv, verbal entgleisend und gegenüber Nichtjägern auffällig konfrontativ wahrgenommen wird.
Im Laufe des Freitags verdichten sich weitere Hinweise. Regionale Jäger berichten, dass gezielt über Wölfe gesprochen wird und dass diese im Fokus stehen sollen. Damit wird klar, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Drückjagd handelt. Spätestens jetzt ist klar, dass wir eingreifen müssen.
Ab dem Mittag beginnen wir mit der operativen Einsatzplanung. Das betroffene Areal ist sehr groß und die erwartete Zahl der beteiligten Jäger liegt zwischen 80 und 160 Personen. Uns ist von Anfang an bewusst, dass wir diesen Einsatz nicht allein bewältigen können. Deshalb nehmen wir Kontakt mit dem Tierschutzverein Düsseldorf e.V. auf und bitten um Unterstützung. Besonders das Projekt "Jagd im Visier" ist für uns von zentraler Bedeutung, da es für professionelle Jagdbeobachtung, rechtssichere Dokumentation und ein nicht störendes Vorgehen steht. Genau diese Arbeitsweise ist für uns essenziell.
Parallel dazu läuft die technische Vorbereitung auf Hochtouren. Drohnen werden überprüft, Kameras vorbereitet, Akkus geladen, Powerbanks gepackt, Speicherkarten organisiert. Währenddessen liefert unsere Kontaktperson vor Ort weitere wichtige Daten. Standorte von jagdlichen Einrichtungen, Zufahrtswege, Positionen des Luderplatzes, Wolfssichtungen und weitere relevante Punkte werden an uns übermittelt. Das Lagebild wird immer klarer und detaillierter.
Am Abend folgt ein weiterer entscheidender Schritt. Gegen 19 Uhr treffen wir uns in einer mehr als einstündigen Videokonferenz mit dem Wolfspodcast sowie dem Tierschutzverein Düsseldorf, vertreten durch Anita Kreuzer. In diesem Meeting werden alle elementaren Punkte besprochen. Anfahrtsrouten, Gruppengrößen, Aufgabenverteilung, Kommunikationswege, rechtliche Rahmenbedingungen, Notfallketten, medizinische Versorgung, Plan A und Plan B sowie die übergeordneten Ziele des Einsatzes. Jede Rolle wird definiert, jede Eventualität durchdacht. Dieses Gespräch bildet die Grundlage für einen strukturierten und sicheren Einsatz.
Nach dem Meeting bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Fahrzeuge werden gepackt, Ausrüstung verstaut, Routen überprüft. Noch am selben Abend machen wir uns auf den Weg nach Hessen. Mehrere Stunden Fahrt liegen vor uns. Kurz nach 5 Uhr morgens erreichen wir das Einsatzgebiet. Der Wald liegt still und dunkel vor uns. Bevor wir den Treffpunkt anfahren, starten wir mit der ersten Lageerkundung aus der Luft. Die Wärmebilddrohne steigt auf. Dank der zuvor gesammelten Koordinaten wissen wir genau, welches Areal betroffen ist und wo die sensiblen Zonen liegen.
Schon nach kurzer Zeit sehen wir die entscheidende Bewegung. Das Wolfsrudel. Sechs Tiere. In enger Formation. Wachsam. In Bewegung Richtung Südwesten. Wir beobachten das Rudel über einen längeren Zeitraum. Alles deutet darauf hin, dass die Tiere das Gebiet noch vor Beginn der Jagd verlassen könnten. Ein entscheidender Moment.
Anschließend fahren wir zum Treffpunkt und stoßen zu den Mitgliedern von Jagd im Visier. Dort folgt ein intensives Briefing von rund 45 Minuten. Gruppen werden gebildet, Aufgaben verteilt, Kommunikationsstrukturen festgelegt, Erste Hilfe und Notfallabläufe definiert. Jede Person weiß, wo sie stehen muss und welche Aufgabe sie übernimmt.
Der offizielle Beginn der Drückjagd ist für 9 Uhr angesetzt. Bereits gegen 8 Uhr befinden sich alle Teams auf ihren Positionen. Das Gebiet wird strategisch aufgeteilt. Ein Teil unserer Mitwirkenden befindet sich direkt innerhalb des Jagdareals, dort wo geschossen wird und wo die Hauptaktivität stattfindet. Andere Teams positionieren sich an Fluchtrouten, Schneisen und Waldrändern, an denen aufgescheuchte Tiere das Gebiet verlassen könnten. Weitere Gruppen verfolgen die Treiber der Drückjagd in sicherer Distanz und dokumentieren deren Vorgehen. Parallel dazu überwachen wir das Geschehen technisch aus größerer Entfernung und halten sämtliche Abläufe fest.
Nach einiger Zeit werden einzelne Jäger auf unsere Präsenz aufmerksam. Die Stimmung verändert sich spürbar. Die Dynamik kippt. Aus Erwartung wird Zurückhaltung. Aus Aktivität wird Vorsicht. Die Abläufe werden ruhiger, kontrollierter und deutlich defensiver.
Gegen Mittag folgt die entscheidende Entwicklung. Obwohl die Jagd offiziell bis 15 Uhr angesetzt war, wird das Treiben bereits gegen 12 Uhr beendet. Ob unsere dokumentierende Präsenz ausschlaggebend war oder ob das Wild an diesem Tag nicht wie erhofft auf Position war, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Entscheidend ist das Ergebnis. Kein Wolf wurde verletzt. Kein Wolf wurde getötet. Das Rudel blieb unversehrt.
Für uns endet dieser Einsatz nicht mit dem Abbruch der Jagd. Im Gegenteil. Wir werden in diesem Gebiet weiterhin präsent sein. Unser Monitoring wird intensiviert. Unsere Beobachtungen ausgeweitet. Unsere Reaktionsfähigkeit weiter gestärkt. Solange der Wolf eine streng geschützte Art ist, werden wir genau dafür einstehen. Mit Präsenz vor Ort. Mit Dokumentation. Mit Technik. Am Boden, im Monitoring und aus der Luft. Für die Wölfe. Für den Artenschutz.
Einsatzbericht: Wolf, Weidetiere und ein offenes Geheimnis
Raum Cuxhaven – Oktober 2025
Ein Wolf, viele tote Weidetiere – und eine Abschussgenehmigung.
Als uns am Freitag, den 17. Oktober, ein dringender Hilferuf aus der Region erreichte, reagierte die Taskforce umgehend. Bereits am frühen Morgen des 18. Oktober, um 02:00 Uhr, machte sich unser Team auf den Weg nach Cuxhaven.
Das Wetter war traumhaft: milde Temperaturen, kein Wind, Sonne pur. Perfekte Bedingungen für unseren mehrtägigen Einsatz – mit mehreren Mitgliedern, Fahrzeugen und einem Auto voller Equipment.
Getarnt als Wildlifefotografen suchten wir das Gespräch mit Spaziergängern, Bauern, Radfahrern und Anwohnern. Die Aussagen waren eindeutig: Herdenschutz? Fehlanzeige.
Viele sagten zudem: „Herdenschutz bringt eh nichts.“
Eine Fähe unter Verdacht
Nach offiziellen Angaben soll eine Fähe für zahlreiche Risse verantwortlich sein – tote Rinder, verletzte Pferde und unzählige Schafe. Besonders betroffen: kleine Herden privater Halter.
Doch schon nach kurzer Zeit verdichteten sich Hinweise auf ein anderes, beunruhigendes Muster. Drei unabhängige Informanten aus der Region schilderten uns dasselbe „offene Geheimnis“:
Kranke, alte oder schwache Tiere – und Tiere, die nicht ins Konzept des Landwirts passen – werden bewusst auf die Weiden gestellt, während die restliche Herde in Sicherheit gebracht wird.
Der Wolf kommt, das Tier stirbt – und der Halter spart Kosten: Behandlung, Abdecker, Zeit. Am Ende gibt es sogar eine finanzielle Entschädigung.
Eine gewagte These, die wir zunächst nicht glauben wollten. Doch dann kam die Entdeckung, die uns aufhorchen ließ.
Eine leblose Kuh mitten im Wolfsgebiet
Am Rand einer Weide, mitten im Gebiet wiederkehrender Wolfsrisse und innerhalb der Zone, in der aktuell eine Abschussgenehmigung gilt, lag eine leblose Kuh.
Mehrfach passierten wir sie im Laufe des Tages – die Position blieb unverändert. Kein Abtransport, kein Eingreifen.
Dieses Bild wirft Fragen auf. Wird hier tatsächlich ein System betrieben, bei dem Tiere geopfert werden, um den Wolf als Sündenbock darzustellen?
Unser Fazit nach drei Tagen Einsatz
Wir besuchten zahlreiche Weiden, führten Gespräche, dokumentierten sorgfältig und sichteten Spuren.
Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck: Zwischen ehrlichen Tierhaltern, die um ihre Tiere kämpfen, und jenen, die den Wolf gezielt für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisieren, verläuft eine gefährliche Grenze.
Die Diskussion um den Wolf ist emotional – doch Emotion darf niemals die Grundlage für Entscheidungen über Leben und Tod sein.
Wir bleiben dran. Für Transparenz. Für Gerechtigkeit. Für den Artenschutz.



